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Guardians of Heritage

2024 SPRING

Blumen zum Blühen bringen

Mit Gungjung-Chaehwa wurden Blumen aus Seide bzw. Mosi (Ramie) bezeichnet, die man während der Joseon-Zeit (1392–1910) eigens für besondere Anlässe am Hofe anfertigte. Die Herstellungskunst erfuhr dank Meisterin Hwang Suro eine Wiederbelebung, weshalb ihr 2013 der Titel „Trägerin des Nationalen Immateriellen Kulturerbes“ verliehen wurde. Ihrem Beispiel folgend, ist es nun ihr Sohn Choi Sung-woo, der sich ebenfalls den Seidenblumen verschrieben hat.

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Eine jede Palast-Seidenblume durchläuft bei ihrer Fertigung eine Reihe manueller Prozesse, die Färbung, Stampfen, Schneiden und Bügeln umfasst. Laut Choi Sung-woo, approbierter Nachfolger dieses Kunsthandwerks, ist es dieser Handarbeit zu verdanken, dass die Seidenblumen so große Ähnlichkeit zu ihren Gegenstücken in der Natur aufweisen.
ⓒ Han Jung-hyun


Führt einen der Weg im Seouler Viertel Tongui-dong entlang der Westseite des Palastes Gyeongbok-gung, fällt der Blick unweigerlich auf ein altes, zweistöckiges Gebäude, das jäh inmitten einer Ansammlung moderner Häuser auftaucht. Über der Tür hängt noch immer ein Schild, das auf den Ursprung des Bauwerkes hinweist: Boan Yeogwan, also Gasthaus Boan. Entstanden im Jahr 1936, war es bis 2004 im Betrieb, musste jedoch aufgrund finanzieller Schwierigkeiten schließen. Als man in den 2000er Jahren begann, alte Gebäude in Tongui-dong aus Modernisierungszwecken abzureißen, war auch das Boan Yeogwan bedroht. Choi Sung-woo kaufte es und wandelte die ehemaligen Gästezimmer in Ausstellungsräume um, in denen nun Kunst und Kultur ein Zuhause finden konnten.

Die Resonanz auf das alte Gebäude, das mitten in der Stadt überlebt hatte, war überraschend groß. Es gelang, Vergangenes in der Gegenwart sichtbar zu machen, neue Werte aufzuzeigen und in vielen kulturellen Bereichen Trends vorzugeben. Darauf ist zurückzuführen, dass der Geschäftsführer Choi Anerkennung als Kulturgestalter genießt, der die Gegend Seochon einschließlich Tongui-dong wieder belebt hat.

Restauration von Palast-Seidenblumen

Die Werkstatt von Choi, dem approbierten Nachfolger des Kunsthandwerks „Palast-Seidenblumen“, befindet sich im vierten Stock des Neubaus Boan1942. Seine Mutter, Meisterin Hwang Suro, war es, die das schon verloren geglaubte kulturelle Erbe mit beharrlichem Willen erneut zum Leben erweckte. Dafür wurde sie 2013 als erste Trägerin des Titels „Nationales Immaterielles Kulturerbe“ in der Kategorie Palast-Seidenblumen anerkannt.

Blumen aus Seide oder Mosi (Ramie) nennt man Chaehwa, darunter solche für königliche Bankette oder Hofzeremonielle heißen Gungjung-Chaehwa (Palast-Seidenblumen). Darauf folgt die Unterteilung in Junhwa für Throndekorationen, Jamhwa als Haarschmuck und Sanghwa zur Dekoration der Festtafel. In den Protokollen Uigwe über Hofveranstaltungen der Joseon-Zeit sind links wie rechts des Thrones ein blau-weißer Topf mit einem roten bzw. einem weißen Pfirsichbaum oder auch die mit Blumen geschmückte Plattform Jidangpan abgebildet. Und alle Bankettteilnehmer tragen roten Pfirsichblumen-Haarschmuck – ein Geschenk des Königs – auf dem Kopf.

Die Protokolle enthalten genauste Angaben über Art und Größe der Blumen, Herstellungsverfahren, Anzahl und Kosten. König Jeongjo (reg. 1776–1799) hatte 1795 zum 60. Geburtstag seiner Mutter ein achttägiges prunkvolles Fest ausgerichtet, für das laut dem Hofprotokoll über König Jeongjos Reise zum Grab von Kronprinz Sado im Jahr Eulmyo 11.919 Seidenblumen verwendet wurden. Keine von ihnen überdauerte die Zeit, jedoch gelang es Meisterin Hwang, die sich nach den alten Protokollen richtete, sie erfolgreich nachzubilden.

Die Anfertigung von Seidenblumen bedarf der Prozesse Färbung, Montage und Installation. Zuerst wird Seide, die sich für die Herstellung von Blumen eignet, mit Pigmenten aus der Natur wie Färberdisteln und Gardenien gefärbt und mit Klebstoff gestärkt. Für mehr Glanz und Elastizität bearbeitet man den Stoff mit der runden Holzkeule für Wäscheglätten. Anschließend schneidet man ihn in blütenblattförmige Teile und bringt jedes einzelne Blatt mit einem in Wachs getunkten Glühstab zu einer aufgeblühten Blume in Form. Dann werden mit Kiefernpollen bedeckte Staub- und Fruchtblätter angebracht. Zum Schluss befestigt man die Blüten mit Blättern und Blütenknospen noch an die bereits vorgefertigten Äste. Da der gesamte Herstellungsprozess der Seidenblumen ausschließlich durch Handarbeit erfolgt, unterscheidet sich jede Blume in Farbton und Form, auch wenn es sich um die gleiche Blumenart handelt. Das ist der Unterschied zu den künstlichen, in Fabriken maschinell hergestellten Blumen, die man für gewöhnlich auf dem Markt bekommt.

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Blau-weiße Töpfe mit einem roten bzw. einem weißen Pfirsichbaum wurden als Dekoration der Thronhalle auf beiden Seiten des Thrones aufgestellt. Dieser drei Meter hohe Topf mit weißen Seidenblumen vermittelt das Gefühl von Pracht und Würde.
Mit freundlicher Genehmigung vom Korean Royal Silk Flower Museum

 

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Meisterin Hwang Suro fertigte diese Nachbildung einer Jidangpan an, die anlässlich eines Banketts im Palast Changgyeong-gung 1829 zur Dekoration der Bühne für Hoftänze Verwendung fand. Ein Jidangpan besteht aus einer Holzplattform mit zwei nebeneinander platzierten Lotusblüten, die wiederum von sieben Vasen mit Pfingstrosen eingerahmt sind.
Mit freundlicher Genehmigung vom Korean Royal Silk Flower Museum

 

Sohn und Schüler

Choi wurde 1960 als erster von drei Söhnen der Meisterin Hwang Suro geboren. Die ganze Schulzeit verbrachte er in Busan, im Elternhaus seiner Mutter. Sein Großvater Hwang Rae-sung war der Gründer von Taechang Corporation, das in Korea als erstes Unternehmen Kordsamt herstellte, und sein Vater Choi Wee-kyung hatte als Agronom, der an der Universität Tokio studiert hatte, die Nachfolge des Großvaters als Geschäftsführer angetreten.

„Meine Mutter war das einzige Kind meiner Großeltern. Und auch ich wurde weitestgehend von ihnen großgezogen. Mein Großvater war ein sehr strenger Mensch, so dass selbst meine resolute Mutter sich nicht gegen ihn auflehnen konnte. Doch mir gegenüber war er liebevoll. Dass ich Interesse an Kulturmanagement fand, obwohl ich westliche Malerei studiert hatte, ist sicherlich auf den großen Einfluss meines Großvaters zurückzuführen.“

In der politisch turbulenten Zeit Anfang der 1980er Jahre verbrachte er seine Studienzeit meistens mit dem gesellschaftskritischen Engagement im Bereich Theater und Madanggeuk (koreanisches traditionelles Freilufttheater). Dann führte ihn der Weg nach Paris, wo er sein Doktorstudium in Kunstgeschichte absolvierte und im Anschluss vom französischen Kulturministerium in eine spezielle Projektgruppe der französischen Kultur gewählt wurde.

„Das Programm unterstütze jeweils eine Person aus 13 Ländern dabei, sich ausgiebig mit europäischer Kultur zu beschäftigen. So oft wir wollten, durften wir Museumsdepots besuchen und uns mit Kulturmanagement beschäftigen. Wir konnten außerdem auch Festivals in Europa besichtigen, Kultureinrichtungen besuchen und sie studieren. So wurden mir die Augen dafür geöffnet, wie sich traditionelle Werte in das Leben zeitgenössischer Menschen integrieren lassen.“

Als er 1993 nach siebeneinhalb Jahren im Ausland wieder in Korea war, musste er sich zunächst um das Familienunternehmen kümmern. Zehn Jahre füllte er eine Rolle aus, in der er sich wie in einem falschen Kleidungsstück vorkam, bis er seinen Platz im Boan Yeogwan und zu der Kunst der Palast-Seidenblumen fand.

„Bei der Ausstellung Traditional Korean Crafts, die 2007 am Hauptsitz der Vereinten Nationen stattfand, half ich erstmals meiner Mutter bei der Herstellung der Hwajun (Blumentöpfe). Die Ausstellungsbesucher bedrängten uns regelrecht, um Fotos zu machen. Die Sprache der Blumen ist eben universell und sie bedarf keiner Erklärung.“

Auch auf der Mailänder Ausstellung Constancy and Change in Korean Traditional Craft 2013 war die Begeisterung groß. Und dennoch haderte Choi damit, das Werk seiner Mutter fortzuführen.

„Alle, die bei meiner Mutter gelernt hatten, auch die approbierten Nachfolger, verließen das Kunsthandwerk, weil die Nachfrage so gering war. Ich konnte daher nicht anders, als mit der Ausbildung anzufangen, fragte mich dennoch, warum ich es sein musste. Aber dann offenbarte sich mir bei den Vorbereitungen für die Ausstellung Beautiful Royal Silk Flower 2014 die ganze Schönheit der Seidenblumen.“

Diese Ausstellung im National Palace Museum of Korea erregte große Aufmerksamkeit durch die Nachbildung des Banketts, das 1829 anlässlich des 40. Geburtstages und 30-jährigen Krönungsjubiläums von König Sunjo (reg. 1800–1834) im Palast Changgyeong-gung stattgefunden hatte. Choi durchlief daraufhin, angefangen mit dem Färbeprozess, die komplette Ausbildung bei seiner Mutter und wurde 2019 schließlich als approbierter Nachfolger anerkannt. Im selben Jahr wurde der von Hwang mit eigenen Mitteln initiierte Bau des Korean Royal Silk Flower Museum in Yangsan in der Provinz Gyeongsangnam-do fertiggestellt und das Museum eröffnet. Wieder ein Jahr später gründete Choi das Royal Silk Flower Seoul Lab zur Förderung der Seidenblumen-Kunst und leitet dazu das Museum seiner Mutter.

„Während es bei dem Museum um die Bewahrung traditioneller Werte geht, setzt sich das Seoul Lab für die Erforschung und Weiterentwicklung der Seidenblumen ein.“

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Choi Sung-woo lehrt am Royal Silk Flower Seoul Lab, das mit der Intention gegründet wurde, dieses traditionelle Kunsthandwerk mitsamt seinem inhärenten Wert in die Gegenwart zu tragen.
ⓒ Han Jung-hyun

Moderne Anwendungsmöglichkeiten

Auf der Ausstellung Dialogue, die 2023 im Seoul Museum of Craft Art stattfand, präsentierte Choi neben traditionellen Werken (Töpfe mit Pfirsichbäumen) auch eines, das die Seidenblumen-Kunst auf moderne Weise interpretierte.

„Für mich ist die gestalterische Schönheit der Palast-Seidenblumen an sich die höchste Analogie zu den Geschenken der Natur. Um die traditionellen Werte von Palast-Seidenblumen zu bewahren, müssen zeitgenössische Techniken, Mittel und Methoden Anwendung finden. Neue Kreationen in der zeitgenössichen Sprache und Traditionstreue sollten Seite an Seite bestehen.“

Es liegt nun an ihm, dem approbierten Nachfolger und Kulturgestalter, sich der Lösung dieser Frage zu stellen.

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Eine Szenerie der Ausstellung Dialogue, die 2023 im Seoul Museum of Craft Art stattfand. Es handelt sich um eine zeitgenössische Interpretation des traditionellen Kunsthandwerks, die Choi zusammen mit Künstlern des Royal Silk Flower Seoul Lab anfertigte.
Mit freundlicher Genehmigung vom Korean Royal Silk Flower Museum


 

Lee Gi-sook freiberufliche Schriftstellerin

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